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Ein Rennen läuft ab, so wie man es erwartet...
Man startet und rast mit bis zu sieben anderen Wagen dem Ziel entgegen. Die
neun enthalteten Strecken sind bis auf wenige Ausnahmen alles Rundkurse, so
dass man immer die beste Rundenzeit und die letzte Rundenzeit angezeigt
bekommt. Passiert man einen Checkpoint, bekommt man noch Auskunft, wie weit
der nächste Wagen entfernt ist, ein Warnpfeil am unteren Bildrand weist einen
im Ernstfall auf einen nahenden Konkurrenten hin. Sehr nett: die
Geschwindikeitsanzeige kann entweder Meilen oder Kilometer pro Stunde
darstellen.
Die Gegner stellen sich dann relativ intelligent an.
In den ersten Rennen kommt man noch sehr gut mit, erste Plätze sind keine
Seltenheit, aber in fortgeschrittenen Rennen wird man ziemlich gefordert. Das
liegt nicht nur daran, dass die Gegner besser fahren, sondern auch an der
etwas hakeligen Wagenkontrolle. Manchmal fühlt man sich, als säße man nicht
in einem Straßenrennwagen, sondern neben Colin McRae, der über die Eispisten
Finlands jagt. Mit Vollgas in eine Kurve zu tauchen wird meistens mit einem
zweifachen Dreher bestraft (und der Sprecher höhnt "You are sooo bad!"). Zudem
gibt es noch einen kleinen Bug, oder anders kann ich es mir nicht erklären,
dass sich der Wagen nach einem Dreher auf der Stelle "dreht", wenn man den
Knopf zum Gasgeben weiterhin gedrückt hält.
Die Gegner sind glücklicherweise auch nicht perfekt, ein paar Bandentreffer
oder Dreher passieren ihnen auch schon mal.
Letztendlich kann man sich an dieses Rallye-Rennverhalten gewöhnen, es kann
aber auch passieren, dass man damit gar nicht klar kommt und den Controller
nach dem 1000sten Dreher in die Ecke schmeisst.
Ein Schadensmodell gibt es (glücklicherweise?) nicht, eine Kollision mit
anderen Fahrzeugen oder Hindernissen resultiert nur in
Geschwindigkeitsverlusten. Von Banden kann man regelrecht zurückprallen.
Egal, mit jedem gewonnenen Rennen kommt man dann der komplett ausgestatteten
Garage ein Stück näher. Vielleicht gibt es auch noch mehr zu entdecken, mit
meinem nicht vorhandenen Japanisch-Kenntnissen war ich aber auch so schon gut
bedient.
Ist der Garagenmodus mal zu schwer, kann man sich an den anderen Instant-
Action-Modi versuchen. Hier gibt es die Standardrennen: alleine gegen die Uhr
oder ein schnelles Rennen mit anderen Fahrern. Den umfangreichen Tuningeditor
kann man hier nicht erreichen, aber jeder Wagen ist in verschiedenen Versionen
vorgetunt, die schönste kann man sich dann aussuchen. Im Zeitrennen darf man
einem transparenten Ghostcar hinterherjagen.
Nach jedem Rennen gibt es das obligatorische Replay, wo man sich das Rennen
aus 4 verschiedenen Blickwinkeln mit auswähbarem Fokus auf jeden der Wagen
ansehen kann. Speichert man sein Replay ab, kann man es hinterher im VJ-Editor
mit coolen Effekten versehen: hier läuft das Replay auf einem kleinen Monitor
ab und man bringt per Kontroller in Echtzeit Effekte a la Winamp, kurze Texte
oder Sounds und Musik hinein. Das Racingvideo kann man dann natürlich auch
abspeichern und wieder anschauen.
Was den Spielspaß der PS2-Version besonders gesteigert hat, war der
Onlinemodus. Hier konnte man seinen Garagenwagen (und die Garage natürlich
auch) der ganzen Welt präsentieren, seine Videos online stellen und mit
anderen Spielern um Weltbestzeiten streiten.
Das alles fehlt leider in der GameCube-Version. Lediglich ein 2-Spieler-
Splitscreen-Modus wurde implementiert, hier dürfen auch leider nur die
vorkonfigurierten Wagen der Instant-Action-Modi gefahren werden.
Letztendlich ein riesiger Nachteil gegenüber der PS2-Version, dafür wurden der
GameCube-Fassung eine etwas verbesserte Grafik und mehr Objekte spendiert.
Steuerung:
Racing-Standard könnte man sagen.
Neben den schon erwähnten Problemen mit den äußerst rutschfreudigen Wagen gibt
es noch ein merkwürdiges Verhalten auf geraden Strecken: es ist verdammt
schwer, den Wagen auf einer wirklich geraden Bahn zu halten. Vielleicht
reagiert die Steuerung wirklich auf kleinste Bewegungen, vielleicht ist es
auch die Spielphysik: kommt man aus der letzten Kurve auf die Zielgerade, mag
sich der Wagen nicht direkt auf der Ideallinie (dargestellt durch eine
deutlich sichtbar Fahrspur) halten. Ständig driftet man zur Seite ab.
Abgesehen davon ist das Hoch- und Runterschalten etwas umständlich, steht der
Wagen mit der Front an einer Bande, muss man erst realistisch in den
Rückwärtsgang schalten, beschleunigen und bremsen (und nicht schon wieder
schleudern!!), Hochschalten und dann vorwärts zurück auf die Strecke fahren.
Alles in allem realistisch gehalten, weswegen sich aber manche Spieler damit
vielleicht nicht anfreunden könnten.
Die Steuerung kann auch komplett angepasst werden, leider hat Gamecubepad
einen Button weniger als das PS2-Pad und man muss standardmässig auf die
Bremse verzichten (Warnblinker geht aber trotzdem).
Grafik:
Cel-Shading at its Best? Nun, wer Auto Modellista mit The Wind Waker vergleicht, der wird beim
Nintendospiel immer noch die weitaus besseren Effekte finden.
Auch sind bei Auto Modellista nur die Wagen die einzigen "echten" Cel-Shading-
Objekte (mit diesen charakteristischen schwarzen Kanten), der Rest des Spiels
ist auf Anime getrimmte Grafik. Dafür passen Wagen und Streckengrafik sehr gut
zusammen. Zusammen mit den schon erwähnten Spezialeffekten kommt ein sehr
gutes Animefeeling auf.
Die Wagen sind durchweg sehr gut modelliert und überaus detailreich, wenn man
sich dann noch ganzen Tuningartikel anguckt, merkt man, dass die Designer
wirklich Schwerstarbeit geleistet haben.
Auch den Strecken sieht man die harte Arbeit an: sie sind allesamt sehr schön
gebaut und verziert worden, leider wirkt alles etwas statisch. Auf einer
Strecke steht ein Riesenrad am Rand - eigentlich sollte man erwarten, dass es
sich dreht (wie es bei Rennspielen eigentlich Standard ist), aber anscheinend
ist der Rummel am Renntag geschlossen. Auch die Vegetation abseits der Strecke
wirkt zu leblos - etwas Bewegung hätte hier gut getan, durch den Animestil
kann man ihnen anders kaum mehr Leben verschaffen.
Dafür glänzen die Strecken mit anderen schönen Effekten, wie Wasserspritzern
oder vom Fahrtwind aufgewehten Blättern.
Alles läuft sehr schön flüssig, leider sind gelegentlich Pop-Ups von Landschaftsmerkmalen zu sehen, die auf dem Gamecube eigentlich nicht mehr sein müssten. Auf ordentliche Schatten oder Lichtspielereien außer den Lensflares der Sonne muss man leider auch verzichten - Spiegelungen sind aber auch ein Opfer des Cel-Shadings.
Sound:
Soundtechnisch muss sich das Spiel nicht vor anderen Rennern verstecken: in
den normalen Rennen bekommt man einen treibenden Soundtrack mitgeliefert,
diverse Rock- und Elektrostücke begleiten einen über den Asphalt. Viele
Aktionen werden von einem Moderator kommentiert, etwa ein gelungener
Powerslide ("That was amazing!") oder ein Rendezvous mit der Bande ("You are
sooo bad!"). Alle Fahrzeuge erzeugen die Geräusche, die man von ihnen
erwartet, lediglich manche japanische Wagen klingen eher wie Elektromobile,
aber vielleicht entspricht das ja auch der Wahrheit.
Die Lautstärke lässt sich in 2 Wegen regeln: einmal für die Wagen- und
Streckengeräusche, einmal für die Musik überall. Leider verschwinden auch die
Sprecherkommentare, wenn man die Musik runterregelt.
Fazit:
Hui, mal wieder ein überaus forderndes und dank der unzähligen Objekte langwieriges Rennspiel. Wenn sich wirklich eingehend mit der Wagenkontrolle beschäftigt, kriegt man den Dreh raus und kann eine Menge Spaß haben. Dieses Spiel wird wohl auch im GameCube-Lager die Spieler in 2 Gruppen
spalten: diese, die es lieben und diese die es hassen.
Jeder sollte es für sich selbst herausfinden, im Oktober soll die US-Version erscheinen und vielleicht bekommen wir auch eine PAL-Fassung. Ich jedenfalls würde mir das Spiel noch mal in einer lokalisierten Version kaufen, damit ich die ganzen Emails verstehe...
Von M.Kallhardt
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| 8.7 | Grafik Toll umgesetzter Animestil, leider etwas statisch | |
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| 7.5 | Sound Zweckmässig, aber nicht spektakulär | |
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| 8.5 | Spielspass Unglaublich umfangreicher Garagen-Modus, aber merkwürdige Steuerung | |
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| 8.0 | Gesamt | |
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