Review von M.Wehmeier (mail) | 15. November 2003 | PAL Version
In Zeiten von gigantischen, dreidimensionalen, in schöner Grafik gekleideten Spielwelten - gepaart mit wunderschönen Effekten, die die neuste Techniken möglich machen - vergessen viele Entwickler leider viel zu oft, dass letztendlich das zuprogrammierende Spiel Spaß machen soll; Das Wort Innovation wurde schon vor langer Zeit auf dem Friedhof der Ideenlosigkeit begraben.
Und so geht Capcom vier Schritte zurück, verzichtet auf visuellen 3D-Schnickschnack der neusten Generation und beschränkt sich auf den spielerischen Kernpunkt, den Spielspaß. Das Rezept geht auf: Man nehme das simple Spielprinzip des „Scrolling Beat ’em Up“ – zu deutsch: ein von links nach rechts laufender Held schlägt und tritt sich durch das meist zweidimensionale Level –, kombiniert es mit einer gehaltreichen Hand Innovationen, paniert das Resultat dann mit exzellenten Spieldesign und backt es dann nach allen Regeln der Kunst auf. Was entsteht? Ein Lichtblick in der langweiligen, innovationsarmen Spiellandschaft: Viewtiful Joe.
Die Story:
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Das geht an die Nerven. Man stelle sich vor, ein schöner Kinobesuch mit der lieben Freundin würde in einem Entführungsdrama enden. Kein Gedanke, mit dem man sich anfreunden könnte, doch in dieser Lage befindet sich Joe, seines Zeichens Filmliebhaber und leidenschaftlicher Kinogänger. Wie aus dem Nichts stehen die Bösewichte, aus dem gerade geguckten Film, vor ihm und entführen seine blonde Freundin direkt in den Film. Joe wird kurze Zeit später auch in den Film gesogen.
Eine sogenannte V-Uhr, die zuvor vom besiegten und altersschwachen Superhelden „Captain Blue“ bekommen wurde, verleiht Joe, dem indirekten Nachfolger von „Blue“, nun ungeahnte Kräfte und lässt ihn zum Helden in seinem eigenen Film werden. Doch der Weg wird kein Zuckerschlecken und ein Happyend ist diesmal nicht vorprogrammiert.
Nach dem storyerzählenden Intro erwartet den Spieler ein ärmlich ausgestattetes Hauptmenü, in dem legendlich die selbsterklärenden Optionen „Neues Spiel“, „Spiel laden“ und „Einstellungen“ anwählbar sind. Unter letzterem Punkt kann die Controllerbelegung sowie die Rumble- und Soundfunktion konfiguriert werden. Alles nach Wünschen eingestellt steht der Rettung von Silvia, so der Name von Joes Freundin, nichts mehr im Wege. Alles fertig? Klappe, Action!
Gameplay:
Um sich die wichtigsten Aspekte, vor Augen zu führen, bedarf es im Prinzip dreier Adjektive: unterhaltsam, rasant, stilistisch. Das bekommt der Spieler auch schon nach den ersten Minuten zu spüren, in denen Joe noch in Alltagskleidung die (noch) schwachen Gegner bekämpft; gar nicht langweilig und ohne Verschnaufpause.
In den folgenden ersten Spielabschnitten trifft unser neuer Leinwandheld auf „Blue“, welcher dann zum Duell aufruft und anschließend neue Attacken verschenkt. Joe bekommt seine V-Uhr, verwandelt sich und bricht auf, seine Freundin zu retten.
Ausgestattet mit der V-Uhr und der Möglichkeit, die Filmgeschwindigkeit (was der Spielgeschwindigkeit entspricht) zu beschleunigen und verlangsamen, fängt der Spaß jetzt erst an. Stupides Draufkloppen mag der zivilisierte Videospieler denken, der Schlauere weiss, dass hier mit sinnlosen „Augen-zu-und-durch“ Tastenschlagen gar nichts erreicht werden kann, wozu vor allem die Regulation der Geschwindigkeit beiträgt: So werden Hubschrauber mittels Verlangsamung vom Himmel geholt (und erst so verwundbar) oder Kanäle durch Gebrauch der Beschleunigung überflutet, woraus dann das Weiterkommen resultiert. Und genau dieses Weiterkommen ist leichter gesagt als getan. Mit oft mehr als vier - von links, rechts, oben oder alles gleichzeitig angreifenden - Gegnern auf dem Bildschirm ist eine kluge Kombination von Beschleunigung wie Verlangsamung und Attacken essentiell. Beispielsweise können Gewehrschüsse erst durch langsameres Tempo gesehen werden, denen der Spieler dann ausweichen kann, die aber auch durch einfachen Tastenknopf in die gegnerische Richtung, hundertachtzig Grad gedreht werden können.
Auch Sinn fürs Detail ist notwendig, sprich wer gerne dazu neigt, Levels zu durchrennen, wird schnell gestoppt.
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