Hat man mal das Pech (das passiert öfter), dass der Boarder nicht die Spitze eines Baumes runterreißt, sondern den Stamm küsst und vom Board fällt, kann man ihn durch schnelles „B“ drücken wieder zur Besinnung zwingen und ohne Probleme (bloß mit weniger Adrenalin) weiterfahren. Es gibt ein paar höhnische Sprüche von den Boarderkollegen, auf die der eigene Boarder aber auch genauso höhnisch antwortet.
Egal, es geht weiter.

Die Kommunikation zwischen den Boardern ist eh sehr witzig: jeder Fahrer hat einen Freund und einen erklärten Gegner und auf der Piste fliegen verbal die Fetzen – komplett auf englisch, denn die Boardersprache wurde leider nicht übersetzt. Mag man einen anderen Fahrer nicht, kann man ihn auf per Tastendruck mit einem Schlag in den Schnee beißen lassen, das merken sich die anderen aber und schlagen das nächste Mal zurück.

Nach ein paar Rennen wird man von einem besonders guten Fahrer zum Kopf-an-Kopfrennen herausgefordert, hier geht es dann gegen nur diesen Boarder in ein Rennen durch die unverbaute Wildnis der Gipfelspitze. Gewinnt man hier, wird das letzte Rennen des jeweiligen Gipfels freigeschaltet: Einmal ganz durch, wo dann mehrere Strecken verbunden sind und innerhalb einer vorgegebenen Zeit absolviert werden müssen. Die Königin aller Pisten ist dann das Gipfelrennen vom dritten Gipfel – bis zum Fuß des Berges.

Um im Spiel voranzukommen, reicht es auf jedem Gipfel eine von vier Bedingungen zu schaffen: entweder alle Rennen zu gewinnen, alle Freestyle-Events zu absolvieren, eine bestimmte Anzahl der BIG Herausforderungen zu meistern oder einfach eine bestimmte Summe Geld zu verdienen.

Auf der kompletten Karte des Berges gibt es auch eine Prozentangabe, wieviel vom Spiel man schon geschafft hat. Bei mir stand sie zum Ende des Tests bei gerade mal 35% - das liegt allerdings daran, dass man nicht nur Pisten freischaltet und Boarderfähigkeiten steigern kann, man kann auch über 600 Gegenstände im Spiel sammeln. Da gibt es Sammelkarten zum Spiel, Poster, Grafiken oder Actionfiguren. Diese können alle durch Goldmedaillen (aka 1. Plätze in den Events) gewonnen werden, oder in den Lodges zwischen den Pisten gekauft werden. Erst wenn man im Spiel wirklich alles gefunden, gewonnen, abgefahren hat und auch alle Gegenstände einkaufen konnte, erreicht man 100%. In diesem wirklich seltenen Fall wird einer von 16 geheimen Boardern freigeschaltet – die anderen kann man auch wieder gewinnen oder einkaufen.
Alles in allem wird das aber sehr sehr lange dauern. Auf der Strecke gibt es auch ein kleines Transportsystem, mit dem man sich an bestimmten Punkten absetzen lassen kann, man muss also nicht immer wieder die ganze Strecke abfahren, wenn man mal einen Bonuskristall verpasst hat.

Damit einem das Spiel alleine nicht auf Dauer langweilig wird, spendiert EA dem geneigten Spieler einen Mehrspielermodus. Der GameCube-Spieler kommt dabei mal wieder nur in den Genuß eines kastrierten Multimodus, denn das Onlineboarden mit 5 anderen Spielern ist den PS2-Besitzern vorbehalten (auch Xboxler haben hier durch EAs Verzicht auf Xbox Live! das Nachsehen).
Da das Boarden auch mit 2 Spielern eine Menge Spaß bringt, können wir Cubler das verkraften. Zu zweit am Splitscreen darf man alle verfügbaren Strecken mit ihrem jeweiligem.Event gegeneinander bestreiten – Freerides und die ewig langen Rennen vom Gipfel bis ins Tal sind leider nicht drin, weil die kurzen Verbindungsgebiete mit Berghütte und Flugzeuglandeplatz wohl nicht für 2 Spieler geeignet waren. Sehr schade eigentlich.

Noch ein Wort zu den Pisten selber: dass man über abgesicherte Rennpisten, durch Häuserschluchten und abgedrehte Stuntparcours jagt, habe ich schon erwähnt. Auf die hübschen Gipfelstrecken, wo einem neben einstürzenden Höhlen und umknickenden Bäumen auch das Wetter gehörig in die Quere kommt, bin ich noch nicht so sehr eingegangen. So gibt es dort wunderschöne Eishöhlen, in denen Mutter Natur nichts besseres einfällt, als die Decke einstürzen zu lassen, während man, die Lichtspiegelungen bewundernd, hindurchfährt. Holzbrücken brechen zusammen, Schneeuntergründe stürzen plötzlich zur Seite weg und das eine oder andere Mal schüttet uns eine kleine Lawine Schnee in den Nacken. Das mag sehr spektakulär wirken, kommt für meinen Geschmack leider zu selten vor. Der Kern von SSX sind eben die coolen Tricks und dafür sind die gefestigen Pisten besser geeignet.
Apropos gefestigt – an manchen Stellen wird die Kollisionsabfrage ein wenig merkwürdig, so dass der Boarder eigentlich von der Spitze der Klippe abspringen sollte (so sagt es einem der menschliche Verstand), stattdessen aber an der senkrechten Wand klebt und am Fuß der Klippe in den Schnee purzelt. Das Ganze passiert in einer halben Sekunde, so dass man nicht wirklich sagen kann, ob das jetzt ein Fehler war, oder ob man einfach den Sprungknopf zu spät losgelassen hat...

Egal: allein durch die Spielinhalte, den Umfang und das Tricksystem ist SSX3 die Genrekrone sicher, mal sehen, ob das Ende des Monats erscheinende 1080°: Avalanche ihm die wieder abnehmen kann.

Die großartig propagandierte Kooperation zwischen Nintendo und Electronic Arts äußert sich in diesem Spiel übrigens durch eine Linkmöglichkeit zwischen Gamecube und Gameboy Advanced, natürlich über das separat erhältliche Linkkabel: zwischen GCN- und GBA-Version darf dann Geld transferiert werden.



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