18 Wheeler
Review von M. Wehmeier (mail) | 22. Juni 2002 | PAL Version

Sega überrascht immer wieder durch besondere und ausgefallene Spielideen die Spielgemeinde. Gut zu wissen, dass es den Entwicklern an Kreativität nicht fehlt. Mit 18 Wheeler kommt das wohl ungewöhnlichste Rennspiel, das auf Realität basiert. Aber was bietet die Spielhallenumsetzung?

Das komplett eingedeutschte Hauptmenü bietet die gewöhnlichen Spielmodi, die eine Umsetzung in der Regel mit sich bringt. Es kann zwischen den Punkten "Arcade", "Parken", "Punktejagd" und "Duell" gewählt werden. Hinzu kommen die Optionen, in denen unter anderem der Schwierigkeitsgrad und die Musiklautstärke festgelegt werden kann, und eine Liste mit den Bestzeiten. Der Schwerpunkt des Spiels ist der Arcademodus, welcher, selbst für Spielhallenumsetzungen, recht klein ist.

Bevor es auf einen Trip quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika geht, muss ein Fahrer gewählt werden. Die vier, mit recht komischen Nicknamen wie Texas Hawk oder Long Horn ausgestatteten, Asphalt Cowboys bringen ihre Trucks gleich mit. Diese unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern auch in der Maximalgeschwindigkeit, dem Drehmoment und der Robustheit. Nach der Wahl geht es los - und wird zunächst positiv überrascht. Die Fracht muss von New York, über Key West und Dallas, nach San Francisco gebracht werden - also splittet sich der Arcademodus in vier Teile. Der Blick auf die Karte sagt einem, der Modus ist recht motivierend - ein Blick auf die Fakten ist hingegen ernüchternd. Die erste Strecke, von New York nach Key West, ist innerhalb von wenigen Minuten bewältigt und jedes geistig-gesunde Gehirn wird verwirrt. Ist das alles? Habe ich schon ein Viertel des Spiels geschafft? Als Schock kann man es nicht bezeichnen, aber es ist schon sehr frech, was Sega einem Spieler, der knapp 60 Euro seines schwer verdienten Geldes für dieses Spiel berappt hat, bietet. Ohne Spannung aufkommen zu lassen: Das Spiel ist nach knapp 30 Minuten durchgespielt. Anregung, diesen Modus jemals wieder zu spielen, gibt es kaum - vielleicht reizt es einige, Rekorde zu brechen oder noch mal die recht schönen Highway-Landschaften zu bewundern - mich nicht.

Die anderen Spielmodi strotzen auch nicht vor Umfang. Der Parkmodus ist wirklich nicht die Rede wert und auch die Punktejagd ist eher ein kleines Feature als ein Spielmodus. Die einzige brauchbare Art, bei der wenigstens etwas von Spielspass aufkommt, ist der Duellmodus. Auf vier verschiedenen Strecken, die sich sehr mit den Arcade-Abschnitten ähneln, können sich zwei Spieler gegenseitig von der Fahrbahn drängen. Spaßig, bis man, nach zwei- oder drei-, vielleicht auch viermal die etwas einfallslosen Strecken auswendig kennt. Was bleibt, waren circa zwei oder auch drei Stunden Spielspass und ein Geldminus von 60 Euro, die man lieber in ein anderes Spiel oder in ein gutes Buch oder zwei oder mehrere Musik-CDs investiert hätte. 18 Wheeler, ein Spiel mit deutlich zuwenig Inhalt und Netto-Spielzeit, ist das Geld nicht wert. Fürs Wochenende - für drei Euro Gebühren zum Mieten - kann man sich auf ein ausgeflipptes und eines von der Idee her innovatives Game freuen.

Gameplay:
Das Spiel ist insgesamt recht unterhaltsam gestaltet - es passiert immer was. Wenn nicht gerade eine Verfolgungsjagd zwischen dem selektierten Fahrer und dessen Konkurrenten läuft, fliegt ein Hubschrauber über euren Truck hinweg; verwüstet ein (schlecht animierter) Wirbelsturm die Straßen und so weiter. Während gespielt wird, macht das Spiel Spaß - keine Frage - aber wie schon gesagt, nur kurz.

Als Feature, das gedacht war, den Spielspass zu erweitern, sprich den Arcademodus weitere Male durchzuspielen, gibt es die Möglichkeit, nach der ersten bewältigten Strecke des Trips seinen Anhänger zu wählen. Es stehen pro Strecke nun jeweils zwei verschiedene Anhänger zur Verfügung. Der eine ist leichter, bringt aber weniger Geld ein als der Schwerere. Ein weiteres, kleines und recht belangloses Feature ist die Möglichkeit, nach den ersten drei der vier Strecken euren Truck durch verschiedene Passagen zufahren und dann einzuparken. Wird das in der vorgegebenen Zeit geschafft, winkt nicht nur ein Geldbonus - für gute Einparker gibt es Verbesserungen (Hupe, Erhöhung der maximalen Geschwindigkeit etc.) für den heißgeliebten Truck und diese werden auch gebraucht, nicht nur um das Zeitlimit einzuhalten, sondern auch um vor euren skrupellosen Konkurrenten ins Ziel zu rollen.

Falsch ist die Annahme, dass das Spiel langsam wäre. Es werden keine Geschwindigkeiten von einem F355 oder so erreicht, aber es kommt schon ein Geschwindigkeitsgefühl auf. Das sehr realistisch gehaltene Spiel verzichtet auch auf Power-Ups oder Turbo-Knöpfe oder Sachen dieser Art, wie man sie in vielen Fun-Racern wiederfindet. Was aber negativ auffällt, ist der Windschatten, der einem "Turbo-Boost" gleicht. Es ist klar, dass das Fahrzeug etwas schneller wird, aber nicht in dem Ausmaß, wie man es in 18 Wheeler vorfindet.

Steuerung:
Wie eine spielhallengerechte Steuerung sein muss, weiß jeder. Sie darf nicht zu kompliziert sein und sollte zudem noch recht schnell zu erlernen sein. Genau diese Vorsätze erfüllt 18 Wheeler. Die Steuerung ist sehr schnell zu erlernen und ist trotzdem ausgeglichen und realistisch, wenn man bedenkt, dass man einen mächtigen Truck fährt.

Grafik:
Die Grafik entspricht der Automatenversion, die knapp drei Jahre alt ist, und ist somit logischerweise nicht mehr auf dem heutigen Stand der Dinge. Am Horizont sieht man ungewollte und durch leichten Nebel retuschierte Popups. Als kleiner Pluspunkt bleibt zu vermerken, dass sich auf den Straßen an sich viel tut. Die Innenansicht (es gibt insgesamt zwei Kameraperspektiven) ist recht gut geworden - man fühlt sich wie in einem richtigen, amerikanischen Truck. Auch die Umgebung rund um die Straßen ist recht schön gemacht worden. Leider tummeln sich, nicht wie bei Crazy Taxi, keine Menschen auf den Straßen. Insgesamt liegt das Grafikniveau irgendwo zwischen Nintendo 64 und Dreamcast. Hier hätte man mehr machen können und müssen, da selbst das mittlerweile in die Jahre gekommene Crazy Taxi mit einer besseren Grafik ausgestattet ist.

Sound:
Musik ist nicht wirklich vorhanden. Aus dem Truckradio, und so hört es sich von der Qualität auch an, kommt irgendein Country-Sound, welcher sich aber dezent im Hintergrund hält. Die Soundeffekte der anderen Fahrzeuge sind Durchschnitt, nicht schlecht, aber auch nicht gut. Was wirklich nervt, ist der gegnerische Trucker, der euch immer mit Sprüchen kommt, die dümmer nicht sein können. "Get outta my way, Green Horn!" und eine handvoll weiterer Funksprüche fangen nach kurzer Zeit nicht nur an, sich zu wiederholen sondern auch zu nerven.

Fazit:
Das Fazit - geschrieben um den ganzen Review kurz und knackig mit allen wichtigen Impressionen und dem gefürchteten, finalen Gesamteindruck zusammenzufassen. Ich kann dieses Spiel wirklich nur denen empfehlen, die zuviel Geld haben - oder denen, die zuwenig Zeit haben umfangreichere Spiele zu zocken. Leider passen sich das Grafik- und Soundniveau dem Spielspass an.

Von M. Wehmeier
5.2Grafik
Veraltet - eine Niveaustufe zwischen Nintendo 64 und Dreamcast ist heutzutage nicht mehr zufriedenstellend
5.6Sound
Musik ist Geschmackssache, aber keiner mag schlechte Qualität
4.0Spielspass
Hier haben die Programmierer - hauptsächlich - versagt. Ein spaßiges, zwei Stunden Spiel - danach wanderts (für immer) in den Schrank
5.1Gesamt

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