Eternal Darkness
Review von M. Wagner (mail) | 16. Juli 2002 | US Version

Nach drei langen Jahren Entwicklungszeit ist es nun endlich soweit: Eternal Darkness - Sanity's Requiem ist endlich für den GameCube erschienen. Eigentlich war das Spiel bereits für das N64 in Planung, dann entschieden sich die Mannen von Silicon Knights doch für einen Release auf Nintendos Next-Gerneration Konsole um. Mit Eternal Darkness ist ein 3D Horror Action Adventure für Einzelkämpfer mit epischer Hintergrundstory und innovativen "Psycho-Features" entstanden, doch reicht dies wirklich um den Gruselveteran Resident Evil vom Genre-Thron zu stürzen?

Gameplay:
Das Spiel beginnt mit Alexandra Roivas als Startcharakter. Die junge Dame begibt sich nach Rhode Island, um die mysteriösen Hintergründe des brutalen Mordes an ihrem exzentrischen Großvater Edward aufzudecken. Dieser verbrachte seine letzten Lebensjahrzehnte in einem ansehnlichen und seit vielen Generationen in Familienbesitz befindlichen Herrenhaus, dessen Geheimnisse von Euch erforscht werden wollen. Bereits nach kurzer Suche findet Alexandra das Buch der ewigen Finsternis (Tome of Eternal Darkness), welches die faszinierende Geschichte eines seit 2000 Jahren andauernden, verzweifelten Kampfes einiger mutiger Menschen gegen die Mächte der Finsternis erzählt.

Insgesamt schlüpft Ihr in die Rollen von 12 Charakteren der unterschiedlichsten Zeitepochen wie z.B. einem Mönch im Mittelalter, einem Soldaten im ersten Weltkrieg oder einem römischen Legionär. Die Hintergrundstory entwickelt sich hierbei an Hand der mit Videosequenzen gespickten, "twilight-zone-typischen" Abenteuern.

Bei diesen geht es auch nicht gerade zimperlich zur Sache, Euren Charakteren stehen zeitgemäße Nah- und Fernkampfwaffen, sowie im späteren Verlauf auch Magie zur Verfügung, um die Gegner mit gezielten Treffern gegen Arme, Kopf oder Rumpf in ihre Einzelteile zu zerlegen. Jeder Gegner hat meist seine ganz persönliche Achillisferse, so schwanken z.B. kopflose Zombies nur noch ungezielt umher und greifen auch schon einmal ihresgleichen an. Trotzdem ist es nicht einfach die Gegner zu besiegen, Schwertschläge müssen in der richtigen Distanz und zum korrekten Zeitpunkt ausgeführt werden, manchmal sollte man auch die Beine in die Hand nehmen um eine bessere Kampfposition einzunehmen.

Taktik und Können sind daher in allen Kämpfen angesagt, will man nicht vorzeitig das Zeitliche segnen, denn die diversesten Monstrositäten nagen nicht nur an Eurer Lebens- bzw. Zauberenergie, sondern auch an Eurer geistigen Gesundheit (Sanity). Geht diese zur Neige, werdet Ihr die verrücktesten Dinge erleben. Zum Glück gewinnt man sie wieder durch ausgeführte "Finishing" Moves an kampfunfähigen Gegnern zurück.

Doch Kampfkraft alleine reicht nicht aus um die Missionen zu beenden, auf Eurem Weg gilt es viele Rätsel der Marke simpel bis angenehm fordernd zu bestehen. Erwähnenswert ist noch das ausgefeilte Magie System, welches mit zunehmender Spieldauer immer komplexer wird. Die Zauber setzen sich aus im Spiel zu findenden Runen zusammen und können in drei verschiedenen Magiefarben (rot, blau, grün) gezaubert werden. Die Magiefarbe spielt später eine gravierende Rolle, so können z.B. nur grüne Schutzschilde effektiv vor blauen Blitzen schützen (rot > grün, grün > blau, blau > rot). Die erworbenen Zauber werden im Buch der ewigen Finsternis niedergeschrieben und stehen somit auch zukünftigen Spielcharakteren zur Verfügung. Insgesamt bietet Eternal Darkness ca. 20 bis 30 Stunden Spielzeit und drei verschiedene Spielverläufe, das spricht wohl für sich.

Steuerung:
Das Spiel lässt sich mit dem GameCube Controller perfekt spielen. Die Spielfigur wird mittels des analogen Control Sticks gesteuert, der B-Knopf dient als universeller Aktionsknopf. Per A-Taste wird attackiert, in Kombination mit der rechten Schultertaste können Körperpartien der Gegner gezielt angegriffen werden. Per Druck auf die Linke Schultertaste rennt der Charakter, hingegen dient der X-Knopf zum vorsichtigen Schleichen. Eher selten benutzt werden die Z-Taste (Schußwaffe nachladen), das Steuerkreuz (Zaubern) und der C Stick (Inventar Gegenstände drehen). Per Start-Taste gelangt man in den Pause-Modus, in welchem diverse Spielmenüs wie das Inventar, Tage- und Zauberbuch, Karte oder Lade/Speicher Menüs ausgewählt werden können.
Das Inventar eures Charakters ist unbegrenzt groß und jeder getragene Gegenstand ist mit einer kleinen Beschreibung versehen und kann detailliert inspiziert werden. Im Tagebuch werden Beschreibungen der Gegner sowie deren Schwächen im Kampf festgehalten, außerdem kann man sich alle "freigespielten" Videosequenzen noch mals anschauen. Das Zauberbuch dient zur Auswahl und zum Wirken von Magie, häufiger genutzte Zauber können zwecks schnellerer Anwendung auch auf das digitale Steuerkreuz gelegt werden. Mit der automatischen Karte behält man jederzeit den Überblick. Man kann unbegrenzt oft speichern, allerdings nur in Räumen, in denen sich keine Gegner (mehr) befinden oder keine sonstigen Gefahren drohen. Lade- und Speichervorgänge fallen nur sehr kurz aus, Eternal Darkness bietet sechs Slots zum Abspeichern bei einer generellen Gesamtbelegung von 15 Blöcken auf der Memorycard.

Grafik:
Eternal Darkness basiert auf einer leistungsfähigen 3D-Engine und wird komplett in Echtzeit berechnet. Die Grafikengine läuft konstant mit 60 "Frames per Second" (Frames Per Second), selbst in großen Säälen mit vielen Gegnern gerät die Grafik zu keiner Zeit ins Stocken. Bemerkenswert ist auch das gute Anti-Aliasing, selbst in Naheinstellungen werden die sonst hässlichen Kanten bei schrägen Texturverläufen effektiv geglättet.

Gespielt wird aus Sicht einer fixen 3rd-Person Kameraperspektive, ähnlich Resident Evil, allerdings schwenkt das Bild beim Betreten eines neuen Bildausschnitts in Echtzeit um. Leider hat man keine Möglichkeit die Kamera frei zu bewegen, die gewählten Perspektiven sind aber selbst im hektischen Kampfgetümmel immer gut spielbar.

Die hochauflösenden Wand- und Bodentexturen sind schön gezeichnet und verleihen dem Spiel eine phänomenal gute Optik. Lediglich an einigen Stellen wirken die Texturübergänge ein wenig hakelig, dies trübt aber nicht weiter den Gesamteindruck. Die Grafik stellt das Spielgeschehen meist düster-realistisch dar, daher kommen Effektorgien eher selten zum Einsatz. Die netten Magieffekte entschädigen den Spieler dafür dann aber vollkommen.

Die Spielfiguren sind in historisch authentische Texturen gehüllt und hinterlassen optisch wie auch von den fein animierten Bewegungsabläufen her eine gute Figur. Dies gilt auch für die vielen verschiedenen Gegnertypen, mit denen sich Silicon Knights besonders viel Mühe gegeben haben. Dagegen wirken die Resident-Evil-Zombies oder die Horror-Puppen von Silent Hill 2 wie Grusel Trash.

Wirklich innovativ und abgefahren wird es, wenn die psyschische Belastbarkeit eures Charakters zu arg strapaziert wird. Dann verändert sich die Kameraperspektive und der Spieler wird mit diversesten Halluzinationseinlagen bestraft. Dies reicht von harmlos herabfließendem Blut an den Wänden über im Boden Versinken bis hin zur "Entgliederung" eurer Spielfigur durch einen unsichtbaren Feind.

Die US Version bietet einen speziellen Widescreen Modus für 16:9 Fernseher und unterstützt auch Progressive-Scan VGA Output.

Sound:
Eternal Darkness liefert qualitativ hochwertigen Sound, Audiofreaks freuen sich über den Dolby Pro Logic 2 Support. Jede Mission wird mit einem eigenen, charakteristischen Soundtrack untermalt, der zusammen mit den netten Horror-Soundeffekten die dichte Spielatmosphäre unterstützt. Die Videosequenzen sind komplett vertont, die Stimmen der Spielfiguren sind passend gewählt und von sehr guter Qualität.

Fazit:
Eternal Darkness ist genreübergreifend der bislang beste GameCube Titel. Das Spiel bietet eine extreme Spieldichte mit packender Hintergrundstory, der eigentlich lineare Spielablauf fällt dadurch kaum auf. Die Grafik ist sehr gut und extrem schnell, die qualitativ hochwertigen Videosequenzen wissen ebenfalls zu überzeugen.

Das innovative Sanity Feature steigert weiterhin den Gruselfaktor und 12 spielbare Charaktere hat sonst höchstens ein Prügelspiel zu bieten. Die Symbiose aus Action und Adventure Teil ist perfekt gelungen, Eternal Darkness verkommt zu keiner Zeit zu einem simplen Actionspielchen á la "Devil May Cry", noch zu einem überschweren Adventure im Stile von "Myst". Dabei haben sich Silicon Knights auch keine Schnitzer in der Spielbarkeit geleistet, alles geht problemlos mit dem Joypad von der Hand, Ladepausen sind dank Mini DV Technik praktisch nicht existent. In Deutschland wird das Spiel sicherlich auf Grund der Gewaltdarstellung horror-genre-typisch erst ab 18 Jahren freigegeben werden.

Von M. Wagner
9.6Grafik
Die bislang beste 3D-Engine auf dem GameCube zaubert stimmungsvoll schöne und schnelle Grafiken auf den Bildschirm
9.4Sound
Atmosphärische Musik und Soundeffekte sowie erstklassig vertonte Videosequenzen geben dem Spiel den letzten Schliff
10Spielspass
Eternal Darkness vereinigt klassische Horror Action und fesselndes Adventure mit innovativen Features. Gepaart mit einer perfekt präsentierten Hintergrundgeschichte entstand eines des besten Spiele aller Zeiten
9.7Gesamt

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