Cel Damage
Review von M.Wehmeier (mail) | 06. August 2002 | PAL Version

Cel Damage, ein Spiel, das es vielleicht (wir werden es ja sehen) in sich hat, aber Vielen leider nur als "Cel-Shading-Celda-Clone" bekannt ist. Laut Packung verbirgt sich hinter dem etwas komisch gestalteten Cover jedenfalls "Durchgeknallte Toons in einem abgefahrenen Arena-Drive'em'up" - wenn das mal nicht Lust auf mehr macht. Aber wir wollen das Spiel ja erst mal testen bevor wir schon anfangen mit komischen Kommentaren, denn vielleicht sind die Vorurteile der deutschen Spieler gegenüber Cel-Shading Spielen ja doch vollkommen unbegründet. Das Spiel wurde von Pseudo Interactive für den GameCube und die X-Box entwickelt und begrüßt den Spieler beim Einschalten des GameCubes mit eines von sechs wirklich witzigen Comic-Intros (ein Intro für jeden Charakter, die im Zufallsprinzip gezeigt werden). Die Entwickler scheinen wirklich einen schwarzen Humor zu haben (nicht nur im Spiel): Auf Seite drei der Bedienungsanleitung steht unter der Überschrift Credits "Sieh dir an, wer alles an diesem Meisterwerk mitgearbeitet hat". Erfahrt, ob Cel Damage ein Meisterwerk oder ein weiterer Totalausfall für den GameCube ist, lest einfach weiter.

Gameplay:
Cel Damage ist das erste Spiel auf dem GameCube, welches von der neuartige Cel-Shading-Technologie gebrauch macht. Es ist keine Frage, entweder es sagt einem dieser Grafikstil zu, oder nicht. Das erste Rennspiel, das diese Technik besaß, war Wacky Races auf der guten alten Dreamcast. Nun - zwei Jahre später - ist festzustellen, dass Cel-Shading unterstütze Spiele scheinbar immer gleich aussehen - Cel Damage könnte der inoffizielle Nachfolger von Wacky Races sein.

Wie schon gesagt, wird der Spieler durch eines von sechs Intros begrüßt, indem jeder Charakter kurz vorgestellt wird. Nachdem der gezeigte Kurzfilm zuende ist, wird das Menü eingeblendet. Wenn man das Menü sieht, kommt einem der Gedanke, das Spiel ganz schnell wieder auszuschalten (näheres unter dem Unterpunkt Grafik). Die On/Off-Taste des GameCubes wird aber nicht gedrückt, denn im Grunde genommen ist es ja egal, wie die Menügestaltung aussieht. Als Menüpunkte gibt es Play, Options, Intro Movies und Credits. In den Optionen kann die Lautstärke der Geräusche, der Sprachausgabe und der Musik sowie die Rumble-Funktion ein und aus stellen. Des weiteren kann der Fortschritt, der zurückgelegt wurde, angeguckt werden. Die Oberpunkte Intro Movies und Credits erklären sich von selbst. Der letzte Oberpunkt ist also nun Play. Nach dem Drücken der A-Taste kommt man zur Wahl, wie viele menschliche Spieler gegeneinander antreten wollen. Egal wie viele Spieler mitmachen, es gibt insgesamt nur drei Spielmodi - die scheinbar alle für Multiplayer-Sessions angelegt wurden. Wer die Twisted Metal-Serie kennt, wird wissen, um welches Spielprinzip es sich bei Cel Damage handelt. Doch bevor es los geht, muss erst einer der sechs Charaktere gewählt werden. Die Entscheidung muss zwischen der dämonischen Asiatin Violet, dem intelligenten Flemming, der hartgesottenen Gangster-Ente Fowl Mouth, dem verrückten Teufel Sinder, dem essgestörten Baustellenarbeiter Bruno und der dominanten Dominique Trix gefallen werden. Wenn alle Level freigespielt sind, gibt es weitere vier Charaktere zur Auswahl. Ist das persönliche Votum zuende, wird zuerst der Spielmodi gewählt. Zum Anfang steht nur der Spielmodus Smack Attack bereit. Das Spielprinzip ist fast genau das gleiche wie in der oben angesprochenen Spieleserie - aber für die Leute, die diese nicht kennen, erkläre ich kurz noch mal, worum es geht: Ihr startet in einer Arena, und müsst eure Gegner mittels aufnehmbaren Waffen, wie zum Beispiel Äxte, Granaten, Kettensägen und Minigewehren den Gahr ausmachen. Jeder Spieler hat dabei unendlich viele Leben - jeder Treffer (dem man seinen Gegnern zufügt) bringt jedoch Punkte ein, diese Punkte werden auch nicht abgezogen, wenn man getötet wird. Am Ende gewinnt der, der als erstes 500 Punkte hat. Sobald einmal dieser Modus gespielt wurde, wird der Zweite (Gate Relay) freigeschaltet. Dieser Modus ist weniger aufs Kämpfen konzipiert, sondern aufs Fahren - Der erste Spieler der zwanzigmal durch die auf der Arena (genau die gleichen wie beim ersten Modus) platzierten Tore gefahren ist, hat gewonnen. Natürlich liegen auch hier wieder überall nützliche Waffen herum, mit denen man seine Konkurrenz auf die hinteren Plätze verweisen kann. Der letzte Modus heißt Flag Rallye, welcher allerdings erst gespielt werden kann, wenn alle Arenen des ersten oder zweiten Modi freigespielt worden sind.

Die zwölf Strecken, oder besser gesagt Arenen sind in die Oberkategorien Western, Dschungel, Friedhof und Weltall eingeteilt. Zu jeder dieser Kategorien kann von Anfang an ein Level gespielt werden. Wird es geschafft, auf den ersten Platz zu kommen, was leider (meist) nicht sehr schwer ist, wird der zweite Level freigeschaltet usw. Vom Inhalt des Spiels könnte gefragt werden - wäre zwar eine sehr kritische aber gerechtfertigte Frage - ob nicht der Haupt-/Singleplayermodus vergessen wurde.

Es bleibt zu sagen, dass Cel Damage ein Spiel ist, dass es reichlich an Inhalt fehlt. Für Einzelspieler wird eindeutig zuwenig geboten. Für Spieleabende mit Freunden eignet sich Cel Damage dafür umso mehr. Einfach mal seinen Kollegen ein paar nicht ernst gemeinte Beleidigungen an den Kopf werfen und schon kann die virtuelle (und witzige) Jagd anfangen. Durch die geringe Auswahl an Spielvariationen, wird aber auch der Mehrspielermodus auf die Dauer langweilig. Zudem bleibt festzuhalten, dass es in diesem Spiel zuwenig, eigentlich gar nicht aufs Können ankommt und wenn es einen größeren Spielverderber gibt als irgendein Nachteil in der Technik, dann ist es der Zufall (bezogen auf die Waffen, die aufgesammelt werden).

Steuerung:
Die Steuerung ist recht einfach und schnell zu erlernen. Jeder der Mario Kart 64 spielen konnte, wird die Cel Damage Steuerung nach ein paar wenigen Minuten verstanden haben. Die Fahrphysik ist bei allen Fahrzeugen für die Mülltonne, aber Cel Damage ist und sollte auch kein realistisches Rennspiel sein - hier kommt es nicht auf besonderes Fahrgeschick oder Können an, deswegen darf über die kleinen Schwächen der Steuerung auch hinweggesehen werden.

Grafik:
Der Gebrauch der Cel-Shading-Technologie, erstmals verwendet in Segas Meisterwerk "Jet Set Radio", ist eine gute Methode, um die Spielgrafik comicartig wirken zu lassen. Die Entwickler haben es geschafft, eine Engine zu programmieren die meist - selbst wenn über fünf Fahrzeuge gleichzeitig auf dem Bildschirm sind - konstant läuft, sprich keine Ruckler zulässt. Die Engine ist nicht nur konstant, sondern auch schnell. Die Grafik ist recht grell und bunt. Die Fahrzeuge und ihre Fahrer sowie die Arenen sind zum Teil mit großer Liebe zum Detail angefertigt worden, auch die Effekte und Animationen sind gelungen - wissen aber nicht immer zu überzeugen. Insgesamt haben die Leute, die für die Grafik (-Engine) zuständig waren, eine gute Arbeit abgeliefert, die zwar nicht perfekt ist, sich aber sehen lassen kann. Die Menügestaltung kann sich hingegen nicht sehen lassen: Das Menüdesign sieht so aus, als ob ein Neunjähriger mit dem professionellen Designprogramm von Microsoft (MS Paint heißt es, glaube ich) herumgespielt hätte.


Hier geht's zu den Cel Damage Wallpaper

Sound:
Die eingängige Musik des Spiels geht sofort ins Ohr, obwohl sie sich dezent im Hintergrund hält (außer man verstellt die Lautstärke im Optionsmenü). Die zwölf Musikstücke überzeugen nicht durch besondere Qualität oder Abwechslungsreichtum, aber sie tut ihre Pflicht und untermalt hervorragend das Spielgeschehen. Die Effekte sind durchschnittlich, sie überzeugen nicht, sind aber auch nicht nervend. Dann wären da noch die Sound-Samples, die nicht von ihrer Qualität auf unterem Niveau sind, sondern vom Inhalt. So weißt die weibliche Darstellerin Dominique Trix darauf hin, einen ihrer Körperteile zu lecken ("Lick my Boobs'). Da die Sprachausgabe jedoch englisch ist, brauchen sich Eltern keine Sorge zu machen, zudem wurden die Comic-Charaktere mit einer sehr schnellen Sprachausgabe versehen, dass es sehr schwer ist, etwas genaues herauszuhören.

Fazit:
Cel Damage ist kein schlechtes Spiel, leider auch keines, dass ich ohne Bedenken weiterempfehlen kann. Größter Minuspunkt ist die viel zu knappe Nettospielzeit. Im Prinzip besteht das Spiel aus einem großen Multiplayermodus - einen Singlemodus, mit Story und stundenlangem Spielspaß existiert schlicht und einfach nicht. Deswegen kann ich jedem nur empfehlen sich dieses Spiel auszuleihen - alleine die sechs Intro Movies sind die zwei Euro wert. Für Leute, die oft mit Kollegen spielen, wird sich auch der Vollpreis von 60 Euro lohnen. Technisch gesehen ist das Werk von Pseudo Interactive, das von Electronic Arts vertrieben wird, grundsolide. Die Grafik ist im oberen Bereich und auch der Sound ist gelungen. Die Sprüche der Akteure sind wirklich sehr frech, bringen einem aber immer wieder zum Lachen ("Ich weiß wo du wohnst"). In einer möglichen Fortsetzung sollte man allerdings einen (wirklichen) Singleplayermodus einbauen, dann klappt es auch mit der Wertung.

Von M.Wehmeier
7.3Grafik
Gelungene aber nicht perfekte Cel-Shading Grafik
7.4Sound
Gute Musik, freche Sound-Samples und durchschnittliche Effekte
7.0Spielspass
Für Mehrspielerabende sehr geeignet, Einzelspieler wird es schnell langweilig werden
7.0Gesamt

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